Personalpfarrei Hl. Maximilian Kolbe

Stellungnahme

Aufruf zur Einheit

Ut omnes errántes ad unitátem Ecclésiæ revocáre dignéris

Datum
2. Februar 2026
Autor
P. Martin Ramm FSSP
Lesedauer
3 Min.
Petersdom in Rom — Sinnbild der sichtbaren Einheit der Kirche
Geschrieben am Fest der Darstellung des Herrn 2026 in Thalwil.

Ut omnes errántes ad unitátem Ecclésiæ revocáre dignéris! — Diese Bitte der Allerheiligenlitanei, dass Gott alle Irrenden zur Einheit der Kirche zurückführen möge, wollen wir ausdrücklich auf die getrennten Brüder der Priesterbruderschaft St. Pius X. beziehen.

Mit einem auf den heutigen Tag datierten offiziellen Kommuniqué kündigt die Piusbruderschaft für den 1. Juli 2026 weitere Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat an. Diese Ankündigung erfüllt viele Gläubige mit großer Traurigkeit. Ich halte es daher für angebracht, in aller Liebe und zugleich in aller Klarheit einige orientierende Worte zu sagen.

Schisma und praktischer Sedisvakantismus

Ein Schisma wird nicht überwunden, indem man es leugnet. Nach katholischer Lehre wird die kirchliche Einheit durch drei Bande gesichert: durch das Band des Glaubens, die Sakramente und das vinculum hierarchicum, das hierarchische Band. Gerade hier liegt der wunde Punkt.

Die Piusbruderschaft betont, sie anerkenne den Papst, da sie für ihn bete. Diese Anerkennung bleibt jedoch rein verbal. Für jemanden zu beten bedeutet noch lange nicht, seine Autorität auch tatsächlich anzuerkennen. Zwar wird das Papstamt „an sich” anerkannt. Der konkrete Papst hingegen besitzt für das tatsächliche Handeln der Bruderschaft keine verbindliche Autorität. Faktisch endet die kirchliche Hierarchie für sie im Generalhaus in Menzingen.

Neben dem ausdrücklich vertretenen dogmatischen Sedisvakantismus gibt es einen subtilen praktischen Sedisvakantismus. Er besteht darin, faktisch so zu handeln, als gäbe es den Papst nicht. Genau diese Art des praktischen Sedisvakantismus ist in der Piusbruderschaft klar erkennbar. Wenn von „Treue zu Rom” gesprochen wird, ist damit ein abstraktes „Ewiges Rom” gemeint, nicht aber das konkrete, gegenwärtige kirchliche Lehr- und Hirtenamt. Gegen das, was man abwertend als „Amtskirche” bezeichnet, grenzt man sich bewusst ab. Auf diese Weise setzt sich die Bruderschaft faktisch selbst als Maßstab für Kirchlichkeit.

Man will sich an der Kirche messen lassen, misst aber die Kirche an sich selbst.

Ist diese Einschätzung überzogen? Ein konkretes Beispiel mag dies verdeutlichen.

Sonntagspflicht

Wo kann man nach der Lehre der Piusbruderschaft die Sonntagspflicht erfüllen?

Nicht in dem, was sie die „Neue Messe” nennen. Diese wird als in sich schlecht, ja als prinzipiell abzulehnen dargestellt. Beim Jugendtreffen der KJB 2025 verglich Pater Kusmeno sie mit einem Gebüsch voller Giftschlangen.

Nicht bei dem, was man „Indultgemeinschaften” nennt. Diese hätten — so Pater Kučírek bei ebendiesem Jugendtreffen — den „Primat des Glaubens” verraten. Den Besuch der heiligen Messe bei der Priesterbruderschaft St. Petrus bezeichnet er als falsch und als Gefahr für den Glauben.

Damit bleibt letztlich nur eine einzige Möglichkeit, die Sonntagspflicht zu erfüllen: der Besuch der eigenen Kapellen der Piusbruderschaft. Sind diese nicht erreichbar, gilt man nach der offiziellen Doktrin der Bruderschaft als von der Sonntagspflicht entschuldigt.

Eine Freikirche?

Bei allen Unterschieden zu protestantischen Freikirchen lassen sich auffällige strukturelle Parallelen nicht übersehen. Gerade durch die jüngst angekündigten schismatischen Bischofsweihen wird die Piusbruderschaft immer weiter nach Art einer katholischen Freikirche konstituiert. Wohin ein solcher Weg führt, zeigt das traurige Beispiel von Bischof Williamson.

Ob die genannten Punkte zutreffen, kann jeder Anhänger der Piusbruderschaft bei den eigenen Priestern überprüfen. Wäre diese Bruderschaft wirklich in voller Einheit mit der Kirche, welch großen Segen könnte sie bringen!

Diese Worte sind nicht als offizielle Stellungnahme der Priesterbruderschaft St. Petrus zu verstehen. Ich schreibe, weil mir dieses Anliegen auf der Seele brennt und weil ich alle Priester und mit der Piusbruderschaft verbundenen Gläubigen von Herzen bitten möchte, sich nicht von einer schismatischen Argumentation täuschen zu lassen.

Jeder steht letztlich vor einer Entscheidung: für die sichtbare Einheit der Kirche — oder für einen Weg, der faktisch in die kirchliche Isolation führt.

Beten wir darum, dass die Oberen der Piusbruderschaft zur Besinnung kommen und den Weg zurück in die volle Einheit der Kirche finden!

Thalwil, am Fest der Darstellung des Herrn 2026.