Personalpfarrei Hl. Maximilian Kolbe

Geistliche Impulse

Traut euch!

Das Kreuz mit der Partnerwahl

Datum
23. April 2026
Autor
P. Martin Ramm FSSP
Lesedauer
4 Min.
Brautpaar reicht sich die Hände beim Eheversprechen
Wenn Braut und Bräutigam einander die rechte Hand reichen, legt ein Dritter seine Hand darüber.

Heiratet man, um glücklich zu werden – oder heiratet man, um glücklich zu machen?

Manch einer hat erfolgreich die Schule abgeschlossen, dann eine Lehre, eine Ausbildung oder ein Studium gemacht und steht nun materiell in guten Verhältnissen. Dennoch fühlt er eine gewisse Leere. Im Inneren fragt er sich: Ist das wirklich schon das Leben, für das es sich zu leben lohnt? Vielleicht hört er in seinem Herzen eine leise Stimme, die ihm zuruft: „Trau dich!"

Ein Weizenkorn verwirklicht sich, indem es stirbt (Joh 12, 24). Eine Kerze verwirklicht sich, indem sie leuchtend sich verzehrt – nicht, indem sie im Regal verstaubt. Welche Art von Kerze möchtest du sein? Willst du dein Leben für dich allein genießen? Armer Icherich! Du wirst verstauben. Nur wer bereit ist, sein Leben einzusetzen, findet das Glück und gewinnt das wahre Leben.

Der Mensch verwirklicht sich durch Hingabe (Mt 16, 25). Das ist eine wichtige Erkenntnis. Ist dieses grundsätzliche Ja zur Hingabe gesprochen, bleibt nur die Frage nach dem Wo und Wie.

Der natürliche Ort, an dem der Mensch zur Reife kommt, ist die Familie. Eine Familie zu gründen ist deshalb nicht einfach nur eine Option – es ist ein Auftrag. In der Familie findet man, wofür es sich lohnt zu leben und wofür es sich lohnt, sich ganz zu verschenken.

Heiratet man, um glücklich zu werden – oder heiratet man, um glücklich zu machen? Je mehr der aufrichtige Wunsch im Vordergrund steht, den anderen glücklich zu machen, desto eher wird man selbst glücklich sein.

Stellen wir uns vor, ein junger Mann und eine junge Frau sind vom aufrichtigen Wunsch erfüllt, einander wirklich glücklich zu machen. Diese Gesinnung reift in der Verlobungszeit, wird vor dem Traualtar besiegelt und trägt durch ein ganzes Eheleben hindurch. Ist eine solche Ehe nicht ein Vorgeschmack auf das Paradies?

Worauf kommt es an?

Angesichts so vieler gescheiterter Ehen ringsum ist es wichtig, den Blick für das Wesentliche zu schärfen – und daran zu glauben, dass Ehe und Familie auch heute gelingen können. Es gibt einiges, das man unbedingt richtig machen sollte. Freilich ist das anspruchsvoll, aber zugleich eigentlich ganz einfach. Wenn die Beziehung gut geht, geht so vieles im Leben gut.

Was muss man also tun, um einen guten Ehegatten zu bekommen? Die Antwort ist überraschend einfach: Setze bei dir selbst an. Mach dich wertvoll. Werde so, dass du einen guten Ehegatten verdienst.

Ob ein junger Mensch sich heiligt, um Tugend bemüht, seine Fehler überwindet, sich selbst beherrscht und keusch und wahrhaft lebt – all das ist nicht einfach nur Privatsache. Schon in der Kindheit und Jugend hat das Ringen um sittlichen Adel und charakterliche Echtheit eine konkrete Bedeutung für den künftigen Ehegatten.

Nehmen wir an, ein Junge wird sich bewusst, dass er später eine wichtige Lebensentscheidung treffen muss: entweder eine Familie zu gründen oder sich ganz Gott zu weihen. Er beginnt täglich zu beten: „Lieber Jesus, führ mich hin, wo ich Dir am liebsten bin.” Vielleicht ahnt er schon jetzt, dass er Priester werden könnte. Sicher ist er sich aber noch nicht. Darum betet er: „Lieber Gott, falls ich doch heiraten soll, segne das Mädchen, das meine Frau wird.” – Wie wird ein solcher Junge über Mädchen und Frauen denken?

Stellen wir uns vor, zwei heiraten, die sagen können: „Für dich habe ich gebetet, seit ich sechs Jahre alt bin!” Ist das nicht ein schöner Gedanke?

Hat er oder sie Kultur?

Ein junger Mann, der sich bewusst Fertigkeiten angeeignet hat, die ein guter Vater braucht, der sich für Handwerk oder Gartenarbeit interessiert und kulturell gebildet ist – all das sind Aspekte, die ihn wertvoll machen.

Ein junges Mädchen stellt sich vor, wie sie einmal als Mutter mit ihren Kindern musizieren möchte, und lernt deshalb ein Instrument. Sie schaut der Mutter über die Schulter, um von ihr die Grundlagen der Hauswirtschaft zu lernen, oder besucht einen Kochkurs. Wird solch eine Frau nicht etwas ausstrahlen, was noch viel bezaubernder ist als der bloße Liebreiz ihres Äußeren?

Echte Frömmigkeit

Schließlich noch ein ernster Gedanke: Manche meinen, Frömmigkeit sei das wichtigste Kriterium. Ganz so einfach ist es aber nicht. Allein die Tatsache, dass jemand als fromm erscheint, garantiert noch keine glückliche Partnerschaft. Das Fundament für die Partnerwahl soll vor allem die menschliche Reife sein.

Echte Frömmigkeit durchdringt alle Bereiche der Person und wirkt sich auch im täglichen Leben positiv aus. Frömmigkeit, die nicht zugleich charakterfest, wahrhaft, ritterlich, treu, diskret, selbstbeherrscht, keusch und zu Opfer und Hingabe bereit ist, ist keine echte Frömmigkeit.

Was du glaubst und was du liebst, das sollst du auch leben.

Wer dennoch zögert, möge bedenken: Die Ehe ist nicht nur ein Bund zu zweit. Wenn Braut und Bräutigam vor dem Altar einander die rechte Hand reichen, legt ein Dritter seine Hand darüber. Gott selbst tritt in diesen Bund ein. Im Ehesakrament schenkt er den Eheleuten das Anrecht auf alle helfenden Gnaden, die sie brauchen, um einander treu zu sein, die Prüfungen des Lebens zu bestehen und miteinander heilig zu werden.

Also: „Traut euch!"