Personalpfarrei Hl. Maximilian Kolbe

Die Zehn Gebote · Das erste Gebot

Gelübde & Sünden gegen das erste Gebot

nach P. Martin Ramm FSSP

Das Gelübde

Etwas geloben heißt, etwas ernsthaft und feierlich zu versprechen. Ein Gelübde im eigentlichen Sinn ist ein Gott überlegt und frei gegebenes Versprechen, das kraft der Tugend der Gottesverehrung erfüllt werden muss (vgl. CIC can 1191).

Das Gelübde ist ein Akt der Hingabe, durch den sich der Christ Gott weiht oder ihm ein gutes Werk verspricht. Durch die Erfüllung seiner Gelübde schenkt er Gott, was er ihm versprochen und geweiht hat.

KKK 2102

Vier Wesensmerkmale

1
An Gott gerichtet

Es zielt auf seine Ehre.

2
Freiwillig

Unter Zwang oder aus schwerer Furcht abgelegt, wäre es ungültig.

3
Verbindlich

Ein bloßer Vorsatz ist noch kein Gelübde — es verpflichtet zur Erfüllung.

4
Sittlich gut & möglich

Etwas Unmoralisches oder Unmögliches kann nicht Gegenstand eines Gelübdes sein.

Was du gelobt hast, erfülle! Besser ist, du gelobst nicht, als dass du gelobst und nicht erfüllst!

Pred 5, 3 f.

Wer in einer schwerwiegenden Sache ein Gelübde nicht hält, begeht eine schwere Sünde. Darum soll ein Gelübde nie leichtfertig, sondern nur nach reiflicher Überlegung abgelegt werden.

Zwei Achsen der Unterscheidung

Das Kirchenrecht unterscheidet ein Gelübde nach zwei voneinander unabhängigen Gesichtspunkten (CIC can 1192):

öffentlich im Namen der Kirche von einem rechtmäßigen Oberen entgegengenommen
feierlich als solches von der Kirche anerkannt
privat andernfalls
einfach andernfalls

Von privaten Gelübden kann ein Pfarrer aus gerechtem Grund dispensieren (CIC can 1196). Der Gelobende selbst kann die versprochene Leistung in ein besseres oder gleichwertiges Gut umwandeln (CIC can 1197).

Gelübde in der Heiligen Schrift

Wenn jemand, Mann oder Frau, das besondere Gelübde des Nasiräates ablegt, sich dem Herrn zu weihen … darf er nichts von dem genießen, was vom Weinstock kommt … ein Schermesser darf nicht über sein Haupt kommen.

Num 6, 2–5

Paulus … hatte sich in Kenchreä das Haupt scheren lassen, weil er ein Gelübde gemacht hatte.

Apg 18, 18

Jakob tat folgendes Gelübde: „Wenn Gott mit mir ist … will ich den Herrn mir zum Schutzgott erwählen … Alles, was du mir schenken wirst, will ich dir zu Ehren gern verzehnten!"

Gen 28, 20–22

Die Evangelischen Räte

Ordensleute bringen durch drei Gelübde je ein Gut zum Opfer dar:

Armut
Mt 19, 21

opfert: Bindung an zeitliche Güter

Keuschheit
Mt 19, 12

opfert: Geborgenheit einer Familie

Gehorsam
Joh 4, 34

opfert: der eigene Wille

Sünden gegen das erste Gebot

Das erste Gebot fordert die rechte Verehrung des einen wahren Gottes. Gegen sie sündigt man durch Zuwenig ebenso wie durch ein verkehrtes Zuviel an Religiosität:

Wahre Gottesverehrung Richtig auf Gott ausgerichtet Unglaube Zuwenig Geschöpf Aberglaube Verkehrtes Zuviel

Der Aberglaube ist gewissermaßen ein abartiges Zuviel an Religiosität, der Unglaube ein Zuwenig.

KKK 2110

Unglaube

Vorstufe des Unglaubens ist der freiwillige Glaubenszweifel. Wie eine Versuchung zur Unreinheit erst durch willentliche Zustimmung sündhaft wird, ist auch eine Schwierigkeit gegen den Glauben an sich noch keine Sünde — sie wird es erst, wenn man ihr bewusst und willentlich Raum gibt.

Freiwilliger Glaubenszweifel besteht in der Vernachlässigung oder Weigerung, für wahr zu halten, was Gott geoffenbart hat und die Kirche zu glauben vorlegt.

KKK 2088

Unglaube ist die Verweigerung des Gehorsams und die Auflehnung gegen Gott und seine Offenbarung sowie die bewusste Ablehnung der geoffenbarten Wahrheit (vgl. KKK 2089).

Aberglaube

Aberglaube besteht darin, dass man geschaffenen Dingen eine höhere Kraft zuschreibt,

  • die sie weder von Natur besitzen,
  • noch durch kirchliche Weihe empfangen haben,
  • noch durch göttliche Einsetzung in sich tragen.

Abergläubisch ist etwa, wer einem Hufeisen, Kleeblatt, Talisman oder Amulett Schutz zuschreibt — oder wer sich auf Kartenlegen, Handlesen, Astrologie, Horoskope oder Pendeln einlässt und sein Handeln davon abhängig macht.

Wer die Wirksamkeit von Gebeten oder von sakramentalen Zeichen dem bloß äußerlichen Verrichten zuschreibt und dabei von den inneren Haltungen, die sie erfordern, absieht, verfällt dem Aberglaube.

KKK 2111

Mein Volk befragt ein Holzstück. Sein Stab soll ihm Auskunft geben. Der Geist der Hurerei hat es betört.

Hos 4, 12

Wahrsagerei

Wahrsagerei betreibt, wer Verborgenes oder Zukünftiges auf unerlaubte Weise zu erforschen sucht. Schon der Baum der Erkenntnis (Gen 3) ist ein Bild des unberechtigten Zugriffs auf verborgenes Wissen.

Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen … Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht.

KKK 2116

Die Jahre unseres Lebens und die Beschaffenheit irdischen Tuns hängen nicht ab von der Natur der Elemente und nicht von dem Einfluss der Gestirne, sie stehen vielmehr in der Macht des höchsten und wahren Gottes.

Leo I., 6. Rede über die Passion

Magie & Okkultismus

In Magie und Spiritismus sucht man Kontakt zu Geistern oder verborgenen Mächten, oft mit Hilfe sogenannter Medien:

Anrufung von Toten
Anrufung von Dämonen
Kontakt mit Naturgeistern Elfen, Nixen, Zwerge …

Sämtliche Praktiken der Magie und Zauberei, mit denen man sich geheime Mächte untertan machen will … verstoßen schwer gegen die Tugend der Gottesverehrung. Spiritismus ist oft mit Wahrsagerei oder Magie verbunden. Darum warnt die Kirche die Gläubigen davor.

KKK 2117

Die sog. „weiße Magie" ist ebenso zu verwerfen wie die „schwarze Magie" — sie verfolgt nur angeblich gute Zwecke. Auch Tische- oder Gläserrücken darf man keinesfalls als harmlos betrachten; häufig tarnen sich solche okkulten Praktiken als Party-Gag.

Niemand finde sich bei dir, der … einen Totengeist oder Wahrsagegeist befragt oder Auskunft bei den Toten sucht. Denn ein Gräuel für den Herrn ist jeder, der solches tut.

Dt 18, 10–12

Götzendienst

Götzendienst besteht darin, ein Geschöpf an die Stelle Gottes zu setzen und es an seiner Stelle zu verehren oder anzubeten.

Es ist Götzendienst, wenn der Mensch anstelle Gottes etwas Geschaffenes ehrt und verehrt, ob es sich nun um Götter oder Dämonen … oder um Macht, Vergnügen, Rasse, Ahnen, Staat, Geld oder ähnliches handelt.

KKK 2113

Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Mt 6, 24

Auch jede Form ungeordneter Anhänglichkeit an geschaffene Güter kann als eine Art Götzendienst verstanden werden — der Mensch macht sich einen falschen Gott:

Geiz & Habsucht ↳ Gott wird der Besitz Eph 5, 5
Hoffart (Hochmut) ↳ Gott wird die eigene Ehre
Völlerei ↳ Gott wird der Bauch Phil 3, 19
Unkeuschheit ↳ Gott wird die Lust 1 Kor 6, 15

Offenkundig sind die Werke des Fleisches … Unzucht, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Zank, Eifersucht … die solches treiben, werden das Reich Gottes nicht erben.

Gal 5, 19–21

Exkurs

Das Pendeln

Divinatorisches Pendeln ist eine esoterische Praxis, bei der ein Pendel genutzt wird, um Antworten auf Ja/Nein-Fragen zu erhalten. Der Katechismus weist alle Formen der Wahrsagerei zurück (KKK 2116) — sachlich gehört dazu auch das Pendeln.

In seinem Buch „Helfen und Heilen" wollte P. Thomas Häberle das Pendeln rechtfertigen — und liefert dabei ungewollt ein Beispiel, wie es innerhalb esoterischer Kreise gedeutet wird: als paranormale Fähigkeit, sich mit jedem Punkt der Erde zu verbinden und „Strahlen" zu empfangen.

Behauptung Pendel empfängt „Strahlen"
Vergleich Elektrizität naturwissenschaftlich messbar

Das Pendeln ist als esoterische Praxis klar abzulehnen.

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