Die Zehn Gebote · Das erste Gebot
Die göttlichen Tugenden
nach P. Martin Ramm FSSP
Man unterscheidet natürliche (sittliche) und übernatürliche (göttliche) Tugenden.
Werden durch Übung erworben. Sie ordnen das natürliche Leben.
Werden mit der heiligmachenden Gnade von Gott in die Seele eingegossen. Sie richten den Menschen auf Gott hin aus.
Die drei göttlichen Tugenden
Jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: das Größte von ihnen ist die Liebe.
1 Kor 13, 13
Glaube
fidesGlauben bedeutet, „dem offenbarenden Gott … vollen Gehorsam des Verstandes und des Willens zu leisten" (1. Vat., Dei Filius; KKK 154).
Credere est actus intellectus assentientis veritati divinae ex imperio voluntatis a Deo motae per gratiam.
hl. Thomas von Aquin, S. th. 2-2, 2, 2
Der Glaubensakt entsteht im Zusammenwirken dreier Kräfte:
→ Zustimmung zur göttlichen Offenbarung
Lebendig ist der Glaube, wenn er von der Liebe durchformt ist (fides formata) — im Unterschied zum bloßen Fürwahrhalten (fides informis).
Glauben setzt Erkenntnis voraus — der Mensch muss zunächst bereit sein zu hören.
So kommt der Glaube aus dem Hören, das Hören aber durch das Wort Christi.
Röm 10, 17 — fides ex auditu
Jeder Christ ist verpflichtet, die wesentlichen Inhalte seines Glaubens zu kennen und zu bekennen. Denn was man nicht kennt …
Der Jünger Christi muss den Glauben bewahren und aus ihm leben, ihn bekennen, mutig bezeugen und weitergeben.
KKK 1816
Gegen den Glauben steht jede Form von Un- und Aberglauben. Religiöse Unwissenheit lässt den Glauben verkümmern.
Die Tugend des Glaubens dauert, bis wir Gott schauen von Angesicht zu Angesicht.
Hoffnung
spesHoffen bedeutet, auf Gott zu vertrauen und von ihm das ewige Leben und alle zum Heil notwendigen Gnaden zu erwarten (vgl. KKK 1817).
Die Hoffnung ist die vertrauensvolle Erwartung des göttlichen Segens und der beseligenden Gottesschau.
KKK 2090
Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß im Himmel.
Mt 5, 12
Wie der Glaube Licht gibt, so gibt die Hoffnung dem ganzen Leben eine feste Ausrichtung auf das im Glauben erkannte Ziel. Nach einem Wort des hl. Franz von Sales wirft der Christ den Anker seiner Hoffnung nach oben.
„Wir halten sie fest als zuverlässigen und festen Anker der Seele." — Hebr 6, 19
Die Hoffnung erwartet das Heil von Gott und sonst nirgends — gegen Esoterik und Gnosis. Gegen sie stehen zwei entgegengesetzte Fehlhaltungen:
Die Tugend der Hoffnung dauert, bis wir die verheißenen Güter unverlierbar besitzen.
Liebe
caritasLieben bedeutet, mit aller Kraft des Willens nach Gott zu streben, den wir im Glauben als das höchste Gut erkannt haben, und seine Liebe zu uns aufrichtig zu erwidern (KKK 2093).
Die Liebe ist jene göttliche Tugend, kraft derer wir Gott um seiner selbst willen über alles lieben und aus Liebe zu Gott unseren Nächsten lieben wie uns selbst.
KKK 1822
Gott verdient totale Liebe, denn „Gott ist die Liebe" (1 Joh 4, 8). Diese Liebe ruht auf zwei Gründen:
Die Liebe folgt der Erkenntnis des Guten — Gott aber ist das höchste, unendliche Gut.
Die Liebe ist Antwort auf empfangene Gaben — Gott ist als Schöpfer die Quelle allen Seins, vollkommener noch im Werk der Erlösung.
Wir lieben, weil er uns zuvor geliebt hat.
1 Joh 4, 19
Die Gottesliebe bewirkt, dass der Mensch …
- oft und gerne an Gott denken und in seiner Gegenwart wandeln
- seine Gebote halten und nach Heiligkeit streben
- auch die Mitmenschen um Gottes willen lieben
Wer Gott gefunden hat, achtet alles andere gering. Auch macht die Liebe bereit zum Opfer.
Das Himmelreich ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den einer fand … Voll Freude geht er hin, verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.
Mt 13, 44
Gegen die Liebe stehen Gleichgültigkeit, Lauheit, Undankbarkeit und vor allem der Gotteshass — eine Abwärtsbewegung weg von Gott:
Hass gegen Gott entspringt dem Stolz. Er widersetzt sich der Liebe Gottes, dessen Güte er leugnet …
KKK 2094
Die Tugend der Liebe dauert ewig — die Liebe der Sehnsucht wird zur Liebe des Besitzes.
Dauer der Tugenden
Glaube und Hoffnung erlöschen, wenn das Geschaute besessen wird — die Liebe allein bleibt in Ewigkeit.
Die Liebe hört niemals auf.
1 Kor 13, 8
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