Personalpfarrei Hl. Maximilian Kolbe

Glaubenskurs · 3. Hauptteil

Die göttlichen Tugenden

Glaube — Hoffnung — Liebe

Einführung

Man unterscheidet natürliche (sittliche) und übernatürliche (göttliche) Tugenden.

  • Die natürlichen Tugenden werden durch Übung erworben. Sie ordnen das natürliche Leben.
  • Die übernatürlichen Tugenden werden mit der heiligmachenden Gnade von Gott in die Seele eingegossen. Sie richten den Menschen auf Gott hin aus.

Der Vorrang gilt der Liebe:

Jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: das Größte von ihnen ist die Liebe.

1 Kor 13, 13
A
fides

Glaube

Gegenstand

Glauben bedeutet, „dem offenbarenden Gott … vollen Gehorsam des Verstandes und des Willens zu leisten" (1. Vat., Dei Filius 3, DS 3008, KKK 154).

Beim Glauben wirken Verstand und Wille des Menschen mit der göttlichen Gnade zusammen.

KKK 155

Der hl. Thomas von Aquin definiert:

Credere est actus intellectus assentientis veritati divinae ex imperio voluntatis a Deo motae per gratiam.

S. th. 2-2, 2, 2

Der Glaube ist somit

  • ein Akt des Verstandes, der der göttlichen Wahrheit zustimmt,
  • auf Geheiß des Willens,
  • der von Gott durch die Gnade bewegt wird.

Die göttliche Tugend des Glaubens erleuchtet den Verstand und bewegt den Willen, der göttlichen Offenbarung zuzustimmen. Lebendig ist der Glaube, wenn er von der Liebe durchformt ist (fides informis / formata).

Wirkungen

Glauben setzt Erkenntnis voraus. Deshalb muss der Mensch zunächst bereit sein zu hören.

Ergo fides ex auditu … — So kommt der Glaube aus dem Hören, das Hören aber durch das Wort Christi.

Röm 10, 17

Durch innere Aufnahme und bewusste Reflexion soll der Inhalt der Offenbarung zum realen persönlichen Besitz werden. Jeder Christ ist verpflichtet, die wesentlichen Inhalte seines Glaubens zu kennen und zu bekennen. Denn was man nicht kennt:

  • kann man nicht lieben Die Liebe folgt der Erkenntnis des Guten.
  • kann man nicht leben Was im Verstand bleibt, dringt nicht ins Tun ein.
  • kann man nicht verteidigen Bezeugen kann nur, wer den Inhalt erfasst hat.
  • kann man nicht weitergeben Fides ex auditu — und das Hören braucht ein klares Wort.

Das Glaubenswissen zu vertiefen, bleibt eine lebenslange Aufgabe. Wir müssen den Glauben „durch das Wort Gottes nähren und den Herrn anflehen, ihn zu mehren" (KKK 162).

Das erste Gebot verlangt von uns, unseren Glauben zu nähren, ihn umsichtig und wachsam zu behüten und alles zurückzuweisen, was ihm widerspricht.

KKK 2088
credere cor-dare = das Herz geben

Der Jünger Christi muss den Glauben bewahren und aus ihm leben, ihn bekennen, mutig bezeugen und weitergeben.

KKK 1816

Verstöße

Gegen den Glauben steht jede Form von Un- und Aberglauben. Religiöse Unwissenheit lässt den Glauben verkümmern.

Die Tugend des Glaubens dauert, bis wir Gott schauen von Angesicht zu Angesicht.

B
spes

Hoffnung

Gegenstand

Hoffen bedeutet, auf Gott zu vertrauen und von ihm das ewige Leben und alle zum Heil notwendigen Gnaden zu erwarten (vgl. KKK 1817).

Lasst uns festhalten am unwandelbaren Bekenntnis unserer Hoffnung; denn treu ist, der die Verheißung gegeben hat.

Hebr 10, 23

Durch ihn glaubt ihr an Gott, der ihn von den Toten erweckte und ihm Herrlichkeit verlieh, damit euer Glaube sich auch als Hoffnung auf Gott richte.

1 Petr 1, 21

Gott hat verheißen, die Sünden zu vergeben, uns seine Gnade zu schenken und alles Erdenleid in ewige Freude zu verwandeln.

Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß im Himmel.

Mt 5, 12

Die Hoffnung ist die vertrauensvolle Erwartung des göttlichen Segens und der beseligenden Gottesschau.

KKK 2090

Wirkungen

Wie der Glaube Licht gibt, so gibt die Hoffnung dem ganzen Leben eine feste Ausrichtung auf das im Glauben erkannte Ziel.

Die Hoffnung macht das Herz weit in Erwartung der ewigen Seligkeit.

KKK 1818

Nach einem Wort des hl. Franz von Sales wirft der Christ den Anker seiner Hoffnung nach oben (vgl. Theotimus).

Darum hat Gott … sich mit einem Eid verbürgt, damit wir … eine starke Zuversicht hätten, um als Rettungssuchende nach der vor uns liegenden Hoffnung zu greifen. Wir halten sie fest als zuverlässigen und festen Anker der Seele.

Hebr 6, 17–19

Wer auf Gott hofft, wird mit Entschiedenheit den Weg gehen, der zu ihm führt.

Ut digni efficiamur promissionibus Christi — auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Erschienen ist die Gnade Gottes, unseres Erlösers, allen Menschen. Sie lehrt uns, dass wir der Gottlosigkeit und den weltlichen Gelüsten entsagen und nüchtern, gerecht und fromm in dieser Welt leben, in Erwartung der seligen Hoffnung und der Ankunft der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus.

Tit 2, 11–13 (Missa in nocte)

Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt, heiligt sich, gleichwie auch er heilig ist.

1 Joh 3, 3

Verstöße

Die Hoffnung erwartet das Heil von Gott und sonst nirgends — gegen Esoterik und Gnosis. Gegen die göttliche Tugend der Hoffnung stehen zwei gegensätzliche Verfehlungen:

desperatio

Kleinmut & Verzweiflung

„Der Mensch hört auf, von Gott sein persönliches Heil, die Gnadenhilfe oder die Vergebung seiner Sünden zu erhoffen." KKK 2091

praesumptio

Übermut & Vermessenheit

„Der Mensch überschätzt seine Fähigkeiten … oder hofft vermessen, er könne selig werden, ohne es zu verdienen." KKK 2092

Die Tugend der Hoffnung dauert so lange, bis wir die verheißenen Güter unverlierbar besitzen und ewig in Gott selig sind.

C
caritas

Liebe

Gegenstand

Lieben bedeutet, mit aller Kraft des Willens nach Gott zu streben, den wir im Glauben als das höchste Gut erkannt haben, und seine Liebe zu uns aufrichtig zu erwidern (KKK 2093).

Das erste Gebot befiehlt uns, Gott über alles und seinetwegen sämtliche Geschöpfe zu lieben.

KKK 2093

Die Liebe ist jene göttliche Tugend, kraft derer wir Gott um seiner selbst willen über alles lieben und aus Liebe zu Gott unseren Nächsten lieben wie uns selbst.

KKK 1822

Jesus macht seine eigene Liebe zum Maßstab für ein neues Gebot (Joh 13, 34). Gott verdient totale Liebe, denn „Gott ist die Liebe" (1 Joh 4, 8):

  • Die Liebe folgt der Erkenntnis des Guten

    Gott aber ist das höchste, unendliche Gut.

    Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam. — Tu solus Sanctus, tu solus Dominus, tu solus Altissimus! (Gloria)

  • Liebe ist Antwort auf empfangene Gaben

    Als Schöpfer ist Gott die Quelle allen Seins. Noch vollkommener offenbart sich die göttliche Liebe im Werk der Erlösung.

Was hast du, und hättest es nicht empfangen?

1 Kor 4, 7

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter.

Jak 1, 17

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

Joh 3, 16

Er zeigte den Seinen, die er in der Welt liebte, die Liebe bis zur Vollendung.

Joh 13, 1

Wir lieben, weil er uns zuvor geliebt hat.

1 Joh 4, 19

Wirkungen

Die Gottesliebe bewirkt, dass der Mensch

  • oft und gerne an ihn denkt und in seiner Gegenwart wandelt,
  • seine Gebote hält und nach Heiligkeit strebt,
  • auch die Mitmenschen um Gottes willen liebt.

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.

Joh 14, 21

Wer Gott gefunden hat, wird alles andere gering achten und sein Herz nicht an Irdisches hängen. Auch macht die Liebe bereit zum Opfer.

Das Himmelreich ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, den einer fand und verborgen hielt. Voll Freude geht er hin, verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.

Mt 13, 44

Was mir als Vorteil galt, das habe ich um Christi willen für Unwert erachtet. … Um seinetwillen gab ich alles auf und betrachtete es als Unrat, um Christus zu gewinnen.

Phil 3, 7 f.

Verstöße

Gegen die göttliche Tugend der Liebe stehen Gleichgültigkeit, Lauheit, Undankbarkeit und vor allem der Gotteshass.

In der Welt herrscht Eigenliebe bis zum Gotteshass — im Gottesreich hingegen herrscht Gottesliebe bis hin zur Selbstverachtung.

„Hass gegen Gott entspringt dem Stolz. Er widersetzt sich der Liebe Gottes, dessen Güte er leugnet und den er vorgeblich deswegen verwünscht, weil Gott die Sünden verbietet und Strafen verhängt." KKK 2094

Die Tugend der Liebe dauert ewig. Nur wird sie verwandelt: Die Liebe der Sehnsucht (affektiv) wird zur Liebe des Besitzes (effektiv).

Die Liebe hört niemals auf.

1 Kor 13, 8